LESEPROBE

 

24h mit Jessica und ihrer Familie - Es geht um eine Einladung, die am Ende im Chaos endet - und das DING, das Jessicas Eltern aus dem Urlaub mitgebracht haben, sorgt noch öfters am Tag für Gesprächsstoff...

 

 

15.30h

 

 

Euch haben wir natürlich auch etwas mitgebracht!“ plustert sich mein Vater stolz auf, wirft meiner Mam einen geheimnisvollen Blick zu, greift nach der schwarzen Longchamp Tasche, die neben ihm auf dem Boden steht und hievt sie auf den Tisch. Die Bemerkung, dass die teure Eichentischplatte auch bei Erwachsenen Hicke bekommen kann, schenke ich mir. Bekomme dann eh nur zu hören, dass ich mich locker machen soll…Hm, sieht schwer aus. Vielleicht haben die mal was Nützliches mitgebracht. Einen Goldklumpen zum Beispiel. Mein Traum zerplatzt aber sogleich als Paps ein – was soll das denn bitteschön sein? Ein DING auspackt. Sogar Grete ist perplex und sagt erst mal nichts (hat jemand was zum Schreiben? Grete schweigt!). Paps strahlt noch immer, meine Mutter sieht erst mich, dann Paul erwartungsvoll an. Ich glotze das DING noch immer an. Aaalso, nichts für ungut, aber es sieht aus wie ein Penis. Ein, hm, übergrosser erigierter Penis. „Soll das ein Penis sein?“ wage ich einen Versuch – und hätte glatt die Million bei Günther Jauch abgeräumt, denn meine Eltern nicken unisono um die Wette.

 

HÄ? (Sorry, mehr fällt mir dazu echt nichts ein. Ein Penis?)

 

Mein Vater verdreht die Augen und schiebt das DING (es scheint aus Holz zu sein) ein bisschen auf dem Tisch herum, damit wir das DING in all seiner Pracht bewundern können. „Das“, er weist mit beiden Händen auf das DING, „ist natürlich kein normaler Penis, meine liebe Tochter –„

„Ach nee! Auf die Idee wäre ich selber natürlich nie gekommen“, grummle ich und ernte ein nachsichtiges Kopfschütteln. Der Kerl, der so was in der Hose hat, dürfte eh nur mit Waffenschein herumlaufen – falls er überhaupt noch laufen könnte…

„Lass mich doch erst einmal ausreden! Also, das ist ein Fruchtbarkeitssymbol von Urwaldbewohner des Waipoua Forest.“ Er strahlt. Ich gucke nur verdutzt und zähle meine Kinder. Es sind vier.

 

VIER!!!

 

„Aha. Und ihr glaubt, dass dieser Haushalt ein fruchtbarkeits-“ ich weise wieder auf das DING, „FruchtbarkeitsDING nötig hat?“

„Jetzt mach dich mal locker“, ärgert sich mein Vater prompt. „Du kannst es ja deinen Kindern vererben!“

 

GEEEENAU…

 

„Da setz ich mich vorher drauf“, schnaube ich und ernte einen entrüsteten Blick von meinem Gatten. „Soll es das heissen, was ich denke was es heisst?“

 

HAAALLLOOO?

 

Sind jetzt alle durchgeknallt? Auf Pauls blöde Bemerkung gehe ich gar nicht erst ein. Wer hat mir denn die Vibos (Vibo = Vibrator. Mein Liebling ist ein lila Delphin mit doppelter Stimulation – und heisst Jack. Jack hört sich doch männlich an, finden Sie nicht? „Schaaatz, wollen wir heute Jack einladen bei uns mit zu machen?“ Ja, ja, Jack und ich sind ein wirklich gutes Team, und…sorry, bin abgeschweift) gekauft? Na also! Als ich mich an meine Mutter wenden will, was sie sich dabei gedacht haben, als sie das DING gekauft haben (vermutlich hat meine Mam wieder einmal nicht NEIN sagen können als ihr am Strand so ein Beachverkäufer-Spasti das DING mit den Worten „seeehr gutes Preis für seeehr schönes Frau“ aufgeschwatzt hat - und von wegen Urwaldbewohner - so ein STUMPFSINN!) , betrachtet sie ihrerseits das DING mit leicht schräg gelegtem Kopf sehr interessiert und dann sagt die doch: „Duu Jessica, ich glaub ich nehm den wieder mit, wenn du ihn eh nicht willst.“

 

HAAALLLOOO? Zum zweiten

 

Will die sich jetzt drauf setzen? Und wieso ihn? Hat sie ihm schon einen Namen gegeben? Don Juan vielleicht? Oder Fjuri? Jetzt mischt sich auch noch Grete ein. „Bine, wir könnten uns den doch teilen, was meinst du? Du eine Woche, ich eine Woche.“

 

PAUSE!

 

Ich schnappe mir die Flasche sieht-aus-wie-Alkohol den die beiden zum Glück noch mitgebracht haben (ob ich wenigstens die Longchamptasche behalten kann?), drehe den Deckel auf, nehme einen grossen Schluck und reiche weiter an Paul, der schon die Hand ausstreckt.

 

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Familie Schweizer

Juni 2011

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