Familie Schweizer
April, April
Der Monat APRIL ist ein typischer Kindermonat – er macht was er will! Da ist es einen Tag so warm, dass man im Tanktop auf der Terrasse fläzen und leckeren, erfrischenden Weisswein schlürfen kann – mit Hoffnung darauf, dass man am nächsten Tag die neuen, bereits seit zwei Monaten im Schuhregal stehenden Guiseppe Zanotti open toe canvas booties anziehen kann (geht nicht mit Strümpfen – sieht bekloppt aus und mit den nackten Zehen – na ja, mag ja in London gehen, aber hier? Die Engländerinnen sind wohl einfach hartgesottener wie wir Schweizerinnen – oder einfach nicht so normal. Der Witz ist ja, dass ich Fotos von der Fashion week in London gesehen habe – im FEBRUAR und die Ladies trugen diese Schuhe alle ohne Strümpfe. London. Februar. Bin wohl eine zu wenig harte Fashionista. Aber hey! Wer guckt mir bitte nach den Kindern und kocht mir Tee und Suppe, wenn ich krank im Bett liege?
HA!
Die Kids sicher nicht. Die haben nämlich andere Probleme. Wenn man ihren Aussagen Glauben schenken darf respektive sollte –
„Ich sollte mehr Taschengeld haben!“
„Ich sollte neue Turnschuhe haben!“ (zweihundert Franken aufwärts)
„Ich sollte deine neue Louis Vuitton Messenger Bag haben! Dringend!“ GENAU! Das Teil hat mich über dreitausend Franken gekostet und ich verstecke sie seit einem Monat vor Paul der nur wieder mit „Preis ist nicht gleich Wert“ blablabla anfängt und mir gleichzeitig an die Stirn greift um zu sehen ob ich Fieber habe.
Auf jeden Fall habe ich sehr viele „sollte haben“ gehört. Und dass Ostern vor der Türe steht, trägt nicht gerad zur Bescheidenheit meines Nachwuchses bei. „Och Mami! Es ist doch Ostern! Bütttte!“ Als wenn Ostern ein Grund wäre, ein Vermögen für Turnschuhe auszugeben – oder gar meine Louis Vuitton Errungenschaft (für die ich echt hart gespart habe!!!) an eine Sechszehnjährig ausleihe, die regelmässig meine Esprit Schirme, ihren Rucksack und auch schon meinen Louis Vuitton Leo Schal!!! Liegen gelassen hat (der zum Glück noch dort lag als sie sich nach einer halben Ewigkeit und zwei Frappuccinos daran erinnerte). Nö! Da gestehe ich Paul vorher, dass ich das Weinwochenende, das ich ihm vor – hm hm drei Jahren? – zum Geburtstag geschenkt habe, noch um ein weiteres Jahr verschieben muss, da ich meine Taschensammlung erweitert habe!
DAS GENÖRGEL UND GEMOTZE
nach neuem Materiellem (als wenn MOI das interessieren würde!) fängt bereits am Morgen an, und wenn ich von Paul am Abend indigniert wissen will, woher zum Teufel die Kleinen den Drang haben, sich mit Supersneakern auszustatten, sieht er mich nur an, die Augenbrauen versinken beinahe im Haaransatz - aber er sagt nichts. In der Regel ist das dann der Moment, in dem ich den Blick abwende und mir überlege, ob es bei net-a-porter.com einen Re-stock von der neuen Christian Louboutin Kollektion „high top studded sneakers“ geben wird…
NEIN! DIESES JAHR GIBT ES NUR SCHOKOHASEN ZU OSTERN!
Für jedes Kind einen. Na ja, und die, die Oma Grete und meine parents in Massen herbeischleppen werden und meine Ma verspricht, dass sie sich nächstes Jahr auf einen pro Kind beschränken werde.
GENAU!
Das erzählt sie mir jedes Jahr und wer hat, bitte schön, den Ärger, die VOLL-NERV-DISKUSSIONEN wegen der Hasen? Bereits am Morgen!
„Mami büttte! NUR das Ohr!“
„BUHUU! Der ist soo traurig, dass er keinen Kopf mehr hat! Mami! Ich muss ihn vom Schmerz erlösen!“
„Nur noch ein kleines Stückchen! NUR gaaaanz klitzeklein!“
ARRGH!
Nein, der April ist unberechenbar. Wie meine Kinder. Da wollen sie Eier bemalen, versprechen mir hoch und heilig, nicht mit der Farbe zu kleckern und vorsichtig mit den Eiern umzugehen. Bin zu naiv. WAR bereits zu naiv. Lotta, die sich mit ihren Farben gerne überall mit ihren Stiften verewigt, hat sich nach einer kurzen, einer wirklich kurzen Unachtsamkeit meinerseits die Hände vollgemalt, Luca hat zwar die Eier bemalt, die dann aber begeistert über den Tisch rollen lassen, der – meiner Faulheit zuschreibend – nicht vollkommen mit Zeitungspapier ausgelegt war und Jamie hat die beiden Kleinen geärgert, indem er immer mal wieder ein Ei gegessen hat. Sue hingegen hat sich geweigert, ist in ihrem Zimmer verschwunden wo sie vermutlich den ganzen Tag anstelle ihre Englischvokabeln zu lernen bei Facebook verplempert.
DER APRIL IST UNBERECHENBAR
Natürlichregnet es an dem Tag, als ich meine Zanotti Schuhe anziehen will.
Natürlich regnet es in STRÖMEN an Ostern.
Natürlich hat meine Mutter nicht nur eine Kolonie Osterhasen angeschleppt, die Paul so gut versteckt, dass ich die Hälfte irgendwann im Jahr finden werde (was ja eigentlich positiv zu werten ist), sondern gleich noch Turnschuhen, eine kleine Longchamptasche und neue Game boys für die Jüngsten!
Natürlich nützt mein entrüsteter Blick und meine Worte: „Ich habe doch gesagt, ihr sollt zu Ostern nicht so grosszügige Geschenke machen!“ nichts, sondern führt lediglich zu der pampigen Entgegnung: „Jetzt stell dich nicht so an! Die armen Kleinen bekommen ja sonst nie was….“
HA HA
Habe neue Erkenntnis errungen: Der April ist kein Kindermonat. Er ist ein Kinder-Grosselterntag!
Die tun auch was sie wollen!
Und moi? Pöh! Was die können, kann ich schon lange. Schnell bestelle ich die Louboutin Sneakers – die ich wohl wieder so lange wie möglich vor Paul (und Sue!) verstecken werde – Dann kann ich sagen: „Och DIE! Die habe ich schon eine Ewigkeit!“
Ganz liebe Grüsse
Ihr April Kind Jessica Schweizer
ACHTUNG: TREND TEIL!!!
High top studded sneakers
Christian Louboutin