Kettenkarrussel = Challenge für Eltern...
Familie Schweizer
Herbstmesse
Was fällt Eltern bei dem (im Grunde genommen harmlosen) Wort „Herbstmesse“ ein?
GEEENAU!
Beladen mit gefühlten tausend Ballons (Dino, Spongebog, Hello Kitty, Delphin…und die ein halbes Jahreseinkommen verschlingen), mindestens mit einen Stab Zuckerwatte zwischen den Zähnen, einer Tüte Magenbrot und einer Tüte gebrannten Mandeln in den bereits überquellenden Jackentaschen, (wer will schon Mütze und Handschuhe bei tropenmässigen drei Grad anhaben...?) ein Kind an jeder Hand und in case of emergency schiebt man irgendwie (Dramaqueen will keinen Schritt mehr gehen und drapiert sich, vorzugsweise kreischend, mitten auf menschenüberfüllten Messeplatz) noch einen Buggy vor sich her – der sich, weil Vorderrad nicht mehr richtig funktioniert, in jede erdenkliche Richtung zieht, ausser in diejenige in die WIR (also die Eltern, nicht die Kinder) wollen.
FAZIT:
Alleine an die Herbstmesse zu gehen (also alleine mit drei Kindern – Sue geht als coole Sechzehnjährige ja nicht mehr mit der Familie, sondern mit ihren Freundinnen) ist reiner Selbstmord.
DAS MEINE ICH ERNST. TODERNST SOGAR!
Am ersten Sonntag an dem die Messe eröffnet, ziehen wir also los. (Sonntags ist der Vater auch abkömmlich und darf sich das Tohuwabohu ebenfalls antun…). Sogar Sue schliesst sich uns gnädigerweise an – mit Schmollen und der Abnahme des Versprechens, dass ich ihr ein Top von Guess kaufe (Teenager sind SEHR berechnend - vor allem wenn es um Familienausflüge geht...)
ABER EGAL
Als erstes will sich die elitäre Gesellschaft natürlich bei McDonald’s stärken. Sie können sich ja vorstellen, wie eine Bestellung für sechs Familienmitglieder ausfällt – und was dieser gesunde Spass kostet, oder? Als alle mit Pommes, Chicken Nuggets, BigMacs und Chicken Wings gestärkt sind, Ketchup und Barbecue Sauce jedes erdenkliche Kleidungsstück zieren und man unbedingt noch die McDonald’s Ballone mitschleppen muss (3x dürfen Sie raten wer die aufgedrückt bekommt…), können wir los. Das heisst, Lotta kreischt noch nach einem McFleury, aber BITTE! Wer will ein Kind, das auf der Ringelbahn sitzt und einen Schwall Mac Food verschleudert? (Prüfe sicherheitshalber, ob ich meinen Knirps dabei habe). Paul kann ihr Augenmerk schliesslich auf die Ufos (oder was immer es sein soll lenken.
Während die beiden Jüngsten also mit Gebrüll auf die Was-immer-es-sein-soll zustürmen und ich Lotta davon abhalten kann, ein anderes Kind aus einem rosa Teil zu stossen, ist Jamie restlos von den rasend schnell drehenden Untertellern begeistert – und Sue schmollt und murmelt Dinge von wegen „für Babys“.
TEENAGER!
Mein Angebot, ihr eine Zuckerwatte zu kaufen, endet nur mit einem sehr sehr bösen, miesepetrigen und muss sagen, ziemlich fiesen Blick. Also lasse ich sie schmollen, zwangsläufig, denn Lotta haut gerade einen Jungen, der zwar einen halben Kopf grösser ist als sie, aber flennt wie ein Schlosshund und mit seinem angelutschten ROSA Messmocken anklagend auf meine Tochter weist, die sich in den Kopf gesetzt zu haben scheint, dieses und NUR DIESES Ufo zu besteigen.
WENN ZWEI SICH STREITEN FREUT SICH DER DRITTE
Während Lotta tobt und der andere flennt, ich gequält der Mutter von der Messmocken-Heulsuse zulächle, klettert Luca in das Ufo und grinst vergnügt – und ab geht die Fahrt – ohne Lotta und ohne Messmocken-Heulsuse. Als meine liebreizende Tochter registriert, dass das Ufo ohne sie losgeflogen ist (dafür mit ihrem schadenfreudig grinsenden Zwillingsbruder) legt sie sich auf den Boden und fängt wieder an zu kreischen – was mir Blicke einbringt, die von mitleidig bis hasserfüllt (die wirklich fies sind) reichen. (Registriere, dass sich mein Göttergatte unauffällig um einige Meter von uns entfernt hat und teilnahmslos in die Luft starrt…)
VERRÄTER!
Moi hat das jeden Tag! „Paps! Ich will mit dir auf die Unterteller!“ quengelt Jamie und ich grinse hämisch. Paul HASST Bahnen, die schneller als einen Stundenkilometer fahren. (Hat der auch beim Autofahren so und ich HASSE es, wenn er neben mir sitzt und alle zwei Minuten demonstrativ auf den Tacho starrt und dann mich anguckt weil doch nur hundertzwanzig und nicht hundertfünfzig erlaubt sind...). Auf jeden Fall wird Paulchen gleich ein bisschen blasser um die Nase als er sieht, wie schnell die Dinger sich drehen. „Wie Schnecken auf Valium“, raune ich ihm boshaft zu (muss wohl nicht explizit erwähnen, dass mir Geschwindigkeit rien ausmacht - abgesehen bei anderen, gewissen - ähem - Tätigkeiten...).
HOW EVER!
Nachdem alle mit Ufos (inklusive Dramaqueen) und Unterteller gefahren sind, Paul sich die Stirn mit seinem Schal abtupft, ich mir einen boshaften Kommentar verkneife und Sue endlich lächelt (aber nicht wegen uns, sondern wegen so einem Cutie, der immer wieder zu ihr hin sieht), drängt Jamie zum Kettenkarrussel. (Was dazu führt, dass Sue wieder schmollt, weil sie nicht mehr mit dem Cutie flirten kann…)
Jetzt kommt eine
WARNUNG
für alle Eltern, die noch nicht die Kettenkarrussell-Erfahrung machen durften:
Beim Wechsel auf die kleinen Sesselchen geht es Schlimmer zu wie beim Ausverkauf bei Gucci! Und DAS will was heissen! (Hab da so meine Erfahrungen…). Ich konnte nicht mal einen Fuss auf die Plattform setzen als alle Sesselchen bereits besetzt waren! Das war wie wenn man einen Film vorspult. WUUUSCH! Gerade dass nicht Kinder durch die Luft geflogen sind, weil die Eltern für die eigenen Kinder ein Sesselchen ergattern wollten. War richtig perplex. Echt. Da werde ich das nächste Mal, wenn bei Gucci Hochbetrieb herrscht, ja die Ruhe in Person sein!
IRGENDWANN
Als Lotta schon wieder losbrüllt, (jaaa, sie ist mitunter kein einfaches Kind…) weil sie sooo lange warten muss und das ALLER ALLER ÄRMSTE Mädchen auf der gaaaanzen weiten Welt ist, kann ich unter schnaufen, mit sehr bösen Killerblicken um mich schiessend, ein Sesselchen für Madame Dramaqueen und mich (Kinder unter sechs müssen mit den Eltern drauf) sichern. Denke schon, habe den Krieg gewonnen, merke dann aber, dass noch eine andere Person an dem Doppelsesselchen zieht – als ich die dreiste Person mit meinem Spezial-Killerblick (den ich ansonsten für Paul reserviert habe, wenn der wieder mal so vorwurfsvoll auf den Tacho oder die Visaabrechnung guckt) vernichten will, starre ich in die Augen von der Messmocken-Heulsusen-Mama! Ein erbitterter Kampf beginnt.
DEN ICH DANN ABER GEWINNE! (he he)
Leider nicht wegen meinen Killerblicken, sondern weil ihr Sohn wieder anfängt zu weinen und die Mama somit Leine ziehen muss. Gerade dass das Weib nicht mit Zeige- und Mittelfinger auf ihre Augen und dann auf mich zeigt.
PFF!
Püh! Bin kaputschnik. Will mich hinsetzen und einen Kaffee (oder Glühwein) trinken. Muss aber noch ungefähr 100x Putschauto fahren, Rutschen und noch mal Rutschen und mir den Kettenkarussell-Krieg noch einmal antun…
Am Abend pflaume ich mich TOT kaputt mit einem Glas Wein vor den Fernseher und mache keinen Wank
mehr. (Überlasse meinem Göttergatten sogar kampflos die Fernbedienung – was damit endet, dass wir zehn Dokus, einen Film mit Van Damme(!), eine Tiersendung über Milben(!!) und einen
Heimatfilm(!!!) sehen - gleichzeitig versteht sich…(seeeehr entspannend...)
Liebe Grüsse
Ihre Jessica Schweizer
P.S. Freu mich schon auf das Getümmel in der Vorweihnachtszeit…