Juni 2009

 

Familie Schweizer

 

Die Wasserpistole

 

 

ALSO

 

Mit Kindern einkaufen zu gehen, kann mitunter schon ein Abenteuer sein, wenn die lieben Kleinen KEINEN Wunsch in der Spielzeugecke hegen. Dann kommt es vielleicht bei den offenen Nüsschen zum Eklat, weil ZWEI (in meinem Fall die Zwillinge) das Schaufelchen und ebenfalls ZWEI die Nüsschen raus schaufeln wollen – RAUS meine ich wörtlich, denn das Säcklein treffen sie meistens nicht. Natürlich sammle ich, V-O-R-B-I-L-D-M-Ä-S-S-I-G alle ein und bezahle sie. „Was man anfasst, kauft man auch, Kinder!“

 

ODER KÄSE-PROBIER-HÄPPCHEN

 

Auch so eine faszinierende Gegebenheit, die auf Kinder (auf die meinigen jedenfalls) eine,  ja magische Anziehungsraft ausübt. „Nur EIN Stückchen probieren! Maaaaami! Büüüttteee!“ Also, reichen wir den Lieben ein aufgespiesstes Probierstückchen, drehen uns vielleicht ein Sekündchen um weil wir sonst irgendwas suchen und wenn wir uns wieder der Käsetheke zuwenden, können wir gerade noch nach Käse riechende / stinkende Patschhändchen erkennen, die zehn Spiesschen auf einmal gehortet haben und die auf einmal viel mehr tragen können als zu Hause, wenn es heisst, sie sollen Lego / Playmobil wegräumen.

 

EIN WUNDER!

 

Oder nett ist auch das Eigenleben, das Kinder mit ihren Miniwägelchen entwickeln können – und man als Mutter belehrt wird, dass Schokolade, Kekse und Chips zur essentiellen Ernährung  von Kleinkindern gehören – wenn man sich den Inhalt, der wie  durch Zauberhand dort hinein gelangt ist, genauer betrachtet…

 

H-O-W E-V-E-R

 

Es sind Schulferien und ich stürze mich mit allen vier Kids ins Abenteuer Coop. Ich meine, soll der Rest der Familie an den Reiswaffelresten kauen (die eh NIE mehr gegessen werden) nur weil moi verhindern will, mit Luca in den Coop zu gehen, weil der unbedingt eine mörderisch RIESIGE Wasserpistole will? Der wollte bereits seine Geschwister überreden, dass sie ihm ihr Taschengeld dafür geben…

 

RESULTAT?

 

  •  Sue knallte ihm, ohne ein Wort zu sagen, die Tür vor der Nase zu als er mit Mütze und Herbstmesse-Trompete davor stand um ihr ein Liedchen zu posaunen.
  • Jamie klopfte ihm auf den Kopf und sagte: „Hey du Zwerg, spinnst du! geh damit zu Mam!“
  • Dramaqueen Lotta fing LAUTHALS an zu kreischen als er sich auch nur drei Meter ihrem Sparschwein näherte.

 

LIFE IS NO CHOCOLATE

 

Ich stand also im Coop, Lotta und Luca mit ihren Miniwägelchen bewaffnet (NO MAM, NO DAD, NO ARMY CAN STOP THEM…), Sue hing, hoch motiviert über dem Einkaufswagen, den sie angeboten hatte zu schieben, und Jamie – wo, bitte schön, ist der abgeblieben?

 

„Bei den CD’s“ informierte mich Sue, die interessiert die Kondom Packungen studierte.

 

NA BRAVO!

 

„Voll krass! Kann man sich da überhaupt entscheiden? Und woher weiss ich, ob der Typ einen XL Schwanz hat? Was mach ich, wenn die Dinger dann zu klein sind oder wenn seiner zu klein ist und das Teil verliert?“

 

ICH STARRE  MEINE TOCHTER AN     

(hat die gerade "Schwanz“gesagt?)

 

DER SCHWEISS RINNT   

(gibt es heute kein Petting mehr? Da kann man das ja raus finden)

 

SIE IST DOCH NOCH NICHT MAL SECHSZEHN!

 

In diesem Moment kreuzt passenderweise ein hübscher junger Mann unseren Weg. Sue steht auf einmal gerade und streicht sich die langen weizenblonden Haare aus ihrem hübschen Gesicht. Der Kerl lächelt sie an (na na Bürschchen!), als Lotta mir einen Bund mit RIESEN Bananen und einen Bund mit mini Bananen unter die Nase hält und wissen will, ob sie auch noch Gurken holen soll.

 

OB MAN MICH EINSPERRT WENN ICH ANFANGE ZU SCHREIEN?

 

Das kann ich mir allerdings getrost sparen, denn mein Sohn übernimmt diesen Part für mich.

 

„Maaaamiiii! Es hat nur noch EINE Wasserpistole! Ich will sie. JEEEEEETZT!“

 

EINATMEN AUSATMEN

 

Hilft bedingt. Oder gar nicht. Lotta kommt mit zwei Honigmelonen daher, die sie sich vor ihren noch nicht vorhandenen Busen hält. Sue und der Typ tauschen per Handy Telefonnummern.

 

Luca kreischt schon ziemlich laut.

 

Lotta lässt Gemüse Gemüse sein und steuert mit ihrem Wägelchen die Süsswarenabteilung an. Sue schmuggelt Kondome in den Einkaufswagen. Ich beginne zu hyperventilieren.

 

Als ich Luca die Wasserpistole aus der Hand nehmen will, was natürlich nicht gelingt (wooo nehmen diese kleinen Menschen in diesem Moment die Kraft her?), schluchzt er, dass man ALLES, was man anfasst, auch kaufen muss (siehe Nüsschen).

 

BESCHLIESSE, EINE FLASCHE CHARDONNAY MITZUNEHMEN

 

Als ich das lauthals heulende Kind (das wohl oder übel zu mir gehört), dessen Fingerchen ich endlich von dem Teil zu lösen vermag und das ich zum Einkaufswagen zerren kann, lege ich die Kondome zurück.

 

Der Teenager fängt an zu motzen.

 

MOOOOTZEN!!!!


„Willst du, dass ich schwanger werde wenn es soweit ist? Oder eine Krankheit anschleppe?“

 

HEUL! (auf Sues und meiner Seite)

 

„Junge Dame, das diskutieren wir sicher nicht hier!“

 

HEEEEEUUUL!

 

„DU musst gar nicht so scheinheilig tun! Ich hab die Filme entdeckt, die du und Paps sooo toll im Bücherregal versteckt habt! Die sind alles andere als Jugendfrei!“

 

ICH BIN JA AUCH KEINE SECHSZEHN MEHR!!!

 

Will ich schreien. Tue ich aber nicht, weil ich gerade plane, wie ich Paul eins auf die Mütze gebe, weil der mir versprochen hat, die Erwachsenen Filme SEHR GUT zu verstecken.

 

WENN MAN NICHT ALLES SELBER MACHT!

 

Meine Androhung, allen einen Strichcode auf die Stirn zu malen und sie ins Regal zu stellen mit einem Schild davor: „DREI FÜR EINS“ macht keinen Eindruck.

 

WO IST DIE GUTE ALTE ELTERN-AUTORITÄT GEBLIEBEN? (Vermutlich in Madagaskar wo der Pfeffer wächst…)

 

Packe eine ganze Kiste Chardonnay in den Wagen.

 

Endlich an der Kasse. Muss doch tatsächlich alles auf Band legen! (Haben diese tolle Einrichtung mit Passabene mit dem man während dem Einkaufen scannt und dann nur noch bezahlen muss – ohne auszuräumen – ausser bei Stichkontrollen – die IMMER an den besten Tagen dran kommen!).

 

WILL NUR NOCH ZUM AUTO

 

UND EINE MEINER NOTZIGARETTEN RAUCHEN

 

Ich knalle übellaunig die Einkäufe aufs Band. Die sehr junge Verkäuferin guckt mich ziemlich verängstigt an und ich knurre: „Hat nichts mit Ihnen zu tun. Die Kinder waren gerade seeehr anstrengend.“

 

Sie seufzt. „Ja ja, das kann es geben.“

 

MÄDCHEN, DU BIST  ZWANZIG UND HAST SICHER NOCH KEINE VIER KINDER!

 

Spare mir einen Kommentar und als wir im Auto sitzen und ich auf die Rücksitze blicke, merke ich, dass ein Kind fehlt.

 

JAMIE!!!

 

Als ich am Abend nudelkaputt auf dem Sofa hänge, will Paul fürsorglich wissen, ob er vielleicht ein Filmchen einlegen soll – zur Entspannung.

 

Die nachfolgenden Geschehnisse finden zwischen 21.05h und 22.05h statt.

 

Genauso lange braucht Paul nämlich um eben diese Filmchen besser zu verstecken…

 

…wo er sie das nächste Mal vermutlich selber nicht mehr findet…

 

WO, BITTE SCHÖN, IST MEIN CHARDONNAY!!!!

 

 

Liebe Grüsse

 

Ihre Jessica Schweizer (die sich auf die anstehende Shoppingtour mit ihrer Freundin Carmen freut – ALLEINE!)