Familie Schweizer

 

München-Eltern-Ego-Trip

 

Teil 1

 

 

 

EEEEEENDLICH!!!!!

 

Eltern-Ego-Trip (muss man sich hin und wieder gönnen!) zu meiner Schwester Selina nach München! Weil die Frau sooo sehr mit ihrer Karriere beschäftigt ist, kommt das eh nur einmal im Jahr vor. Sonst hockt die nämlich im Firmenjet, im Heli, in einer Konferenz oder ist sonst wo wichtig. Vermutlich sogar im Schlaf – wenn die überhaupt mal schläft.

 

 

DIE KIDS?

 

 

Jamie und die Zwillinge bleiben bei Oma Grete und Sue darf bei ihrer Freundin Nelly nächtigen. So sind alle Beteiligten happy.

 

 

TAG DER  ABREISE

 

 

9:00

 

Eintreffen meiner Eltern (Paps mit seinem Abenteuer-Indiana-Jones Hut), die mit uns fahren. Sie sehen meine Schwester Selina genauso selten wie Paul und ich.

 

 9:15

 

1.    1. Krise von Paul, weil wir (Ma und ich) mehr Gepäck haben, als unser Sharan bewältigen kann

 

9:20

 

2.    2. Krise von Paul, weil wir (Ma und ich) uns von KEINEM unserer Gepäckstücke trennen wollen („VIER Tage! Jessica! Wir wandern nicht aus!“ PFF! KEINE Ahnung hat der Mann! – dabei sollte er mich langsam aber sicher kennen…)

 

9:25

 

3.    3. Krise von Paul, weil wir (Ma und ich) einwilligen, Gepäck da zu lassen unter der Bedingung, dass ich alles Fehlende neu shoppen darf…

 

9:50 

 

Gemüter haben sich beruhigt. Moi checkt sicherheitshalber, ob meine hübsche Visa in Gold noch im Portemonnaie ist –

 

10:15

 

ABFAHRT

 

12:15

 

Auf der deutschen Autobahn. Angenehme Fahrt. Wenig Verkehr. Vorfreude – was mich das Gaspedal durchdrücken lässt.

 

12:30

 

1.    1. Motzanfall seitens Paul, der eine Geschwindigkeit von zweihundert für aaaaaabsolut unangemessen, leichtsinnig und unnötig hält.

 

12:45

 

2.    2.Motzanfall seitens Paul, der mich zum Trillionsten Mal ermahnt, EINMAL vernünftig zu sein wenn wir in München sind. Einkaufstechnisch gesehen (sonst ist bei mir eh Hopfen und Malz verloren…). Paul fürchtet sich nämlich jedes Mal vor einem privaten Konkurs (vor allem lechze ich zurzeit nach einer SAU teuren Shoulderbag, deren Foto ich sogar in  meinem „Boudoir“ aufgehängt habe. Neben ein Poster von Jake in Jarhead – JAHA und DAS will was heissen! Sue hat mir schon das Versprechen abgenommen, dass ich ihr die Tasche, sollte ich JE an ein limitiertes Teil inkl. Warteliste, heran kommen, obwohl ich nicht Kate Moss heisse, vererbe…).

 

 

EIN DING DER UNMÖGLICHKEIT! BEI DER MUST HAVE BAG STEHT SOGAR DIE QUEEN AUF DER WARTELISTE!

 

 

13:30

 

 

MÜNCHEN!

 

 

Selina besitzt eine RIESEN Villa in der exklusiven Wohngegend Grünwald. Ungefähr 15 Km von der Stadtmitte entfernt. Absolut HAMMER-geil! Als die Türe auf unser Klingeln geöffnet wird, fällt mir die Kinnlade nach unten. Ma auch. Paps auch. Paul auch – der zieht sofort den Bauch ein und streckt die Brust raus. Findet bei ihr gerade ein Fotoshooting statt?

 

 

„Hey! Ich bin Ben. Selinas Freund. Sie hat gerade noch eine Telefonkonferenz, kommt aber gleich. Freue mich, endlich ihre Familie kennen zu lernen!“

 

 

IHR FREUND?! ÜBERGALAKTISCH ATTRAKTIV UND SEEEEEHR JUNG…

 

 

„Und ich dachte, wir hätten uns im Haus geirrt“, murmelt mein Vater. Ihr letzter Kerl war nämlich, um es noch nett auszudrücken, faltig wie ein Sharpei Hund und ungefähr zweihundert Jahre alt. Hm. Ob der gestorben ist? Oder sie hat neue Kontaktlinsen. Bin auf jeden Fall beruhigt, dass sie jetzt auf Knuspermüsli und nicht mehr auf Dörrobst steht. Sie ist schliesslich erst sechsunddreissig – und der Bursche da – hmhm, auf jeden Fall ein gutes Stück jünger.

 

 

„HEYYY! Hallo zusammen!“ Selina! Schön, selbstbewusst und aufgestellt wie immer (bewundernswert, denn die Frau arbeitet an die zwanzig Stunden am Tag und was sie die übrigen vier macht, wissen wir jetzt auch…). Wir küssen und umarmen uns, sie führt uns gleich in ihr modernes, von Designern eingerichtetes, Loft ähnliches Wohnzimmer wo bereits  frozen Vodka shots und asiatische Häppchen, die von einem Nobel Caterer stammen, bereit stehen.

 

 

LECKER!

 

 

Selina legt gleich den Ausgangsplan vor, der mich, wie jedes Mal brennend interessiert! Sie bekommt die besten Plätze in den angesagtesten Restaurants, steht auf jeder Gästeliste auf der sie stehen will und in den Nobellokalen und Boutiquen auf der Maximiliansstrasse kennt man sie mit Namen. (Mich kennt zwar auch jeder in unserer, zugegeben nicht allzu grosser Gemeinde, aber ob das immer von Vorteil ist, bezweifle ich…)

 

 

Der Abend wird feucht fröhlich, Ben ist doch „schon“ Mitte zwanzig, Pilot in Ausbildung, Calvin Klein Model (habs doch gewusst!) und ein cooler Typ. Passt viel besser zu Selina wie die überkandidelten Managertypen die sie sonst gedatet hat. (Hm. Ob ich bei CK Prozente bekomme, wenn Ben ein gutes Wort für mich einlegt?)

 

 

SCHLAFE WIE EIN ENGEL (oder wie jemand, der zu viele Vodka shots getrunken hat)

 

 

Als wir Frauen am nächsten Tag nach einem ausgiebigen Frühstück (und einem Alka Seltzer) verkünden, in die Stadt zu fahren und ein bisschen die neue Frühlingskollektion zu begutachten (muss schliesslich für meine nächste Kolumne recherchieren), verdreht Paul kaum merklich (ironisch gemeint) die Augen. „Denk an den Familienurlaub im Sommer, Jessssssica“! (sehr sehr scharfes S. Erinnert an Sushimesser das Noriblatt durch schneidet). „Das BUDGET!!!!“

 

 

RHABBBRHABBRAB

 

 

„Ja ja! Geh ja nur schauen.“ Schauen ob mein Pincode noch funktioniert, he he! (Arbeite schliesslich auch und die wenigen roten Zahlen auf meinem Visa-Abrechnungs-Beleg…TS! Kaum erwähnenswert! PEANUTS!)

 

 

Hach, herrlich!  Ziemlich warm für März, Sonnenschein, geniesse das Zusammensein mit meiner Schwester und Ma. Wir gucken gaaanz harmlos, ohne bösen Hintergedanken die Auslagen in den teuren Geschäften an und dann passiert es!

 

 

DAAAA!!! (Nein! Nicht Jake Gyllenhaal)

 

 

DIE Tasche meiner Träume! In einer AUSLAGE! U-N-G-L-A-U-B-L-I-C-H!!!!

 

 

Wir betreten den heiligen Laden. Ehrfürchtig nähere ich mich der Shoulderbag. Als ich das weiche Kalbsleder mit meinen Fingerspitzen liebkose, kommt die Verkäuferin (die ziemlich sauertöpfisch in die Welt guckt) und erklärt mir, dass die Tasche reserviert ist.

 

 

NEEEEEIN!

 

 

Selina gesellt sich zu mir. Die Verkäuferin fängt an zu lächeln. „Ah, Frau Berger! Schön Sie zu sehen!“

 

 

„Das ist meine Schwester. Haben Sie nicht noch so ein Täschchen herum liegen?“

 

 

Die Verkäuferin überlegt. Sie überlegt tatsächlich! Sie wird doch nicht…

 

 

D-E-F-I-B-R-I-L-A-T-O-R!

 

 

„Na gut. Weil Sie eine so gute Kundin sind“, flüstert sie verschwörerisch, zwinkert und geht mit der Tasche zur Kasse.

 

 

Wie in Trance zücke ich meine Visa, die Verkäuferin steckt sie in das Gerät, wartet

 

 

UND DANN -

 

DER SATZ VOR DEM ICH MICH AM MEISTEN FÜRCHTE (nach: „Sie sind wieder schwanger!“)

 

 

„Tut mir leid, die Karte geht nicht.“ Blick wieder sauertöpfisch.

 

 

VERDAMMTE SCHEI…

 

 

Doch zu viel im Minus.

 

1.   1. Gedanke: Ich nehme die Karte vom Haushaltskonto

2.   2. Gedanke: Paul lässt sich scheiden

3.   3. Gedanke: Paul bringt mich um

4.   4. Gedanke: Scheiss drauf. Kann die Tasche ja mit ins Grab nehmen.

 

      Und wenn der liebe Gott eine Frau ist, bekomme ich damit garantiert eine Ehrenlogenwolke. HA!

 

 

Bin nachher wie in Trance. Packe Tasche gleich aus und gebe damit an. Meine Redakteurin, Laura, wird grün vor Neid werden! Vielleicht bin ich vorher aber schon tot. Das schlechte Gewissen nagt ein KLEINES bisschen an mir. Für das Geld machen wir eine Woche zu sechst in einem All inklusive Resort Urlaub.

 

 

Wollte die Tasche eigentlich vor meinem Göttergatten verstecken. Dummerweise treffen wir zufällig auf Paps und Paul, die gerade ein Bierchen zischen. Paul sieht die Tasche sofort. Er erkennt die Tasche auch sofort (Bild von Tasche hängt ja immerhin neben Bild von Jake).

 

 

„Ich hoffe bloss, dass ich ein Augenleiden habe und die Tasche da an deinem Arm nicht wirklich existiert.“ Wir haben in null Komma nix „The day after tomorrow“ Kältegrad erreicht.

 

 

Ich lache (hysterisch).

 

 

PAAAANIK!

 

 

Just in diesem Moment, nähert sich mir eine attraktive Mittvierzigerin, die erst gierig meine Eroberung (also die Tasche nicht Paul) mustert und dann keucht: „Unmöglich an DIE Tasche zu kommen! Ich gebe Ihnen das DOPPELTE wenn Sie mir den Liebling überlassen!“

 

 

DOPPELTER PREIS. PAUL UND SEIN KILLERBLICK. EINE TASCHE, DIE MAN NIIIIIIE, WIRKLICH NIE NIE NIE NIE NIE  WIEDER EINFACH SO BEKOMMT.

 

 

MOI, ALS FASHION VICTIM, STECKE IN DER KLEMME!!!

 

 

Fortsetzung folgt…

 

 

Bis bald!

Ihre Jessica Schweizer