Familie Schweizer
Katzenjammer
Haben seit zwei Wochen eine Katze. Besser gesagt, einen Kater.
SUUUUPER SACHE!
Sie hören einen ironischen Unterton heraus? Nein nein, ich meine das gaanz ehrlich! Natürlich, als das Tier am ersten Tag auf die Polstergruppe geschissen hat, und sich daran auch noch die Krallen wetzen wollte, dachte ich das natürlich noch nicht, aber dann, als meine Freundin Carmen zu Besuch kam und mit Felix, (so heisst die Katze, weil sie aussieht wie Felix auf der Katzenfutterverpackung), mit ihr im Bad war und ein bisschen mit der Hand im Kistchen herum geschabt hat (seit diesem Moment geht das Tier auch tatsächlich auf ihr Klo! Carmen – meine persönliche Katzenflüsterin!) ist sie ganz akzeptabel.
Habe gestern Nacht sogar schon in Babysprache mit ihr geredet.
„Ja du du! Gell, der brave Felix hat auch Hunger! Ja gulli gulli. Halli halli!“
Paul hat sich fast weg geschmissen und gemeint, er wisse nicht, vor was er mehr Angst hat. Davor, dass ich so mit der Katze rede oder dass wir jetzt tatsächlich eine Katze haben.
RHABRHABRHAB
Ausserdem ist am Sonntagmorgen wie durch ein: „SIMSALABIM“ Ruhe in den Kinderzimmern. Die geben Felix sein Futter (autonom – will heissen: ohne vorher „Maaaaaaamiiiiii!!!! Du musst heeeeeelfen!!!!“ zu schreien), packen den kleinen Kerl und sperren ihn, mit sich, im Kinderzimmer ein.
ARMER FELIX
Aber, sorry Kater, jeder ist sich selbst der Nächste und Paul und ich haben letzten Sonnten abgeklatscht als wir fest gestellt haben, dass das neue Haustier mindestens einen positiven Aspekt in our family life balance bringt!
UND SCHLAF IST EIN WICHTIGER – SEHR WICHTIGER – ASPEKT
Aber heute…
Als ich schlafen gehen und Felix sein Futter geben wollte, war der unauffindbar. Kein Kater. Nirgendwo. Spurlos verschwunden. Lost.
Schweissausbruch. Ob der schon Selbstmord begangen hat. Lotta ist nämlich eine eher unsanfte Katzentante, Luca drückt und knuddelt ihn heftig, dass ihm manchmal fast die Augen aus dem Kopf kullern (sorry, keine sehr hübsche Vorstellung) und Jamie setzt Felix immer wieder auf den Anhänger seines ferngesteuerten Autos. Ein Wunder, dass das Tier noch nicht die Krallen ausgefahren – oder sich vor das ferngesteuerte Auto geworfen hat.
DIE KINDER LIEBEN FELIX!
Luca meinte heute Morgen, er glaube, er träume, dass wir tatsächlich eine Katze haben (da haben wir was gemeinsam. Das träumt es mir auch noch).
Ich rufe nach dem Kater. Erst leise, dann immer lauter. Hole Paul (einen sehr erfreuten Paul) aus den Federn, damit er mir suchen hilft.
„Ich hab dir ja gesagt, mit dem Tier handeln wir uns nur Ärger ein“, grummelt der und quält sich – schimpfend - in Shorts und Shirt.
Im Haus ist er tatsächlich nicht aufzufinden. Ich steige auf die Galerie und da sehe ich es. Nein, er hat sich nicht auf dem Balken aufgehängt. (soo Dramatisches habe ich doch wieder nicht zu bieten), nein, aber das Dachfenster ist offen! Ob der kleine Kerl da raus ist?
„Ich habe dir ja gesagt, mit dem Tier handeln wir uns nur Ärger ein!“ motzt Paul – schon lauter, weil wacher.
„Du wiederholst dich“ gebe ich pampig zurück. „Denk nur daran, wie traurig die Kids wären!“
GRUMMEL GRUMMEL (auf Pauls Seite)
„Und denk an den Sonntagmorgen, den wir für uns haben“, locke ich gerissen.
„Na gut. Überredet“, knurrt Paul, zieht sich die Turnschuhe an und folgt mir mit Taschenlampe.
Wir rufen und pfeifen und dann höre ich Rufus, den Hund von den Müllers bellen. Wie ein Irrer bellt der. (Obwohl, der bellt immer wie ein Irrer. Der ist auch ein bisschen irr. Nein, er ist voll irr – aber egal!)
Ich gebe Paul mit einem Handzeichen zu verstehen, dass er mir folgen soll und wir nähern uns dem Haus wobei Rufus immer nervöser wird – wie ich an seinem, immer höher werdenden Bellen merke.
Ich drücke mutig die Klingel der Müllers. Rufus ist nämlich ein Pitbull. Ein irrer Pitbull. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen…
Es ist bereits zweiundzwanziguhrdreissig. Nicht wirklich die Tageszeit, an der man sich Freunde macht, wenn man klingelt.
ABER EGAL
Die Müllers gehören eh nicht zu meinen Freunden. Ob die mich jetzt noch ein bisschen doofer finden, spielt keine Rolle.
Die Tür geht auf und Frau Müller guckt heraus. Sie sieht aus wie ihr Hund. Und wie der aussieht, will ich gar nicht weiter erwähnen.
„Ach! Das können ja nur SIE sein!“ giftet die Trulla und ich pflanze mir ein Grinch Grinsen ins Gesicht. „Wir vermissen unsere Katze und da Rufus so gebellt hat, dachten wir, er könnte hier sein.“ Ich grinse weiter, die Taschenlampe fest umklammert.
SAGE NUR: PITBULL
Sie schnaubt. „Na, bei vier Gören ist es sicher schwer, auch noch eine Katze unter Kontrolle zu haben, was?“
Ob ich ihr einen Tritt verpassen soll? Dumm nur, dass ich keine High heels mit zwölf Zentimeter Pfennigabsatz anhabe. Die tun sicher hübsch weh…
…WENN MAN SIE IN DEN ARSCH GERAMMT BEKOMMT!!!!
Ich will gerade Luft holen, als ein schwarz weisses Etwas an mir vorbeiflitzt und ein weisser, hässlicher Hund hinter her.
Ich spare mir Abschiedsworte und laufe hinter Katze und Hund her, die Müllerin kreischt nach Rufus (als könne unser Felix dem was anhaben – na ja, vielleicht denkt sie auch, dass ich ihrem Liebling einen Tritt versetzen könnte – versehentlich, versteht sich…).
Plötzlich macht Rufus aber kehrt, knurrt und sprintet zurück zu seinem Frauchen. Felix hockt bei uns an der Türe und zittert. Ich nehme ihn auf den Arm.
« GULLI GULLI. ARMER ARMER FELIX. GULLI GULLI »
Paul schnaubt, schliesst die Tür auf und murmelt: „Hab ja gesagt, dass wir uns mit dem Tier nur Ärger einhandeln. Der blöde Köter scheisst uns jetzt sicher immer in den Vorgarten.“
Kaum drinnen, stürmt der Kater zu seinem Fressnapf und da höre ich auch schon Fusstapsen auf der Treppe.
„Mami, Felix ist nicht da!“ Tränchen in Lottas Augen. Doch dann sieht sie ihn am Fressnapf stürzt sich auf das Tier und schliesst es in die Arme.
Ich werfe Paul einen viel sagenden Blick zu und er verdreht die Augen.
„Denk an den Sonntagmorgen“, murmle ich ihm zu und schicke Lotta wieder ins Bett, die Felix fest an sich drückt.
Die ganze Familie ist wieder vereint. Inklusive Kater!
HALLELUJA!
So, gute Nacht (bin schweinemüde!)
Liebe Grüsse Ihre Jessica Schweizer
Felix le fantastique