Familie Schweizer


Skiiiefoarn!

 

Hoffe, Sie haben sich bereits soweit an unsere, mitunter verrückte, Familie gewöhnt, damit ich weitere Mitglieder präsentieren kann. Ich meine, wir sind ja bisweilen schwer zu verdauen (worauf mein Göttergatte erwidern würde: „Was WIR? DU!)

 

HOW EVER – DA STEHT MOI DARÜBER!

 

Möchte Ihnen nämlich heute meine Eltern vorstellen, die mit uns die Skiferien verbracht haben und mit denen es nie, wirklich NIE langweilig wird. Als da wären meine Mutter: Sabine – Bine  und mein Vater: Johannes – Jones genannt (nach Indiana Jones, denn meine parents sind eingefleischte Weltenbummler und für jedes Abenteuer auf jedem Kontinenten zu haben und so wurde aus Johannes Jones. Ma nennt ihn manchmal sogar liebevoll Indie – sie steht total auf Harrison Ford – und mein Vater murmelt dann was von „…grr,  gleich hol ich meine Peitsche raus.“ Da halt ich mir dann die Ohren zu und sing laut: „LA LA LA!“ Wer will sich DAS bitte vorstellen? Bei den eigenen Eltern? WÜRG. Meine Mam kichert dann auch noch wie ein Schulmädchen und ich hoffe jedes Mal, dass die wenigstens Rücksicht auf ihre Enkel nehmen wenn schon nicht auf Paul und mich.

 

ABER EGAL

 

Werde von unserem Skiabenteuer berichten, das mit einer zerstörten Skihose, (3x dürfen Sie raten, wem die Skihose gehörte und ich kann nur wieder einmal erwähnen, dass es sich alle mal lohnt, schöne Unterwäsche zu tragen!!!) und einem verlorenen Ehemann endete.

 

Prächtiger Tag. Stahlblauer Himmel. Eine Jessica Schweizer, die sich ausnahmsweise dazu überreden liess, die Federn in den Ferien VOR Mittag zu verlassen (genauer gesagt im Morgengrauen) und für einmal zu der, mir ansonsten ungeheuren Spezies Menschen zu gehören, die zu den Ersten auf der Gondel gehören. Normalerweise kenne ich das nur vom hören sagen, denn lieber stell ich mich am Morgen minutenlang tot und ertrage das Gerüttel, Genöle und Gemotze von meinem Angetrauten als  früh aufzustehen.

 

Nun, da stand ich dann. Bibbernd, mich schon um halb neun nach einem Glühwein sehnend und nur der Anblick meiner Eltern, die sich gegenseitig Dehnübungen vormachten (wobei selbst Kristin McGee von MTV Poweryoga vor Neid erblassen würde), heiterte mich auf. (Stellte mich sicherheitshalber zu einer anderen Familie, nicht dass man mich mit den beiden auch nur irgendwie in Verbindung bringen konnte…). Meine Eltern sind beide exzellente Skifahrer und waren letztes Jahr sogar  in den Anden zum Heliskiing. Nun, es kam der Moment, als ich mich zu meiner Family commitmen musste. Mein Vater: „Prinzessin, komm schon in die Gondel! Indiana Jones hört den verdammten Berg rufen!“ Dummerweise steht mir rot nicht – denn ich glühte wie ein Zündholzkopf als sich sämtliche Köpfe zu mir drehten…

 

LA LA LA!

 

Während wir Erwachsenen, Sue und Jamie die Pisten runter fetzten, durften Lotta und Luca in den Snoopy-Ski-Kindergarten wo sie unter Aufsicht eines Jake Gyllenhaals Verschnitts herum rutschten. (Ma und ich diskutierten gleich tuschelnd ob wir ihm selbstlos unsere Hilfe anbieten sollten - die vielsagenden Blicke unserer Männer liess uns unser Vorhaben jedoch aufgeben…)

 

ALLES GING GUT. BIS…

 

…DAS WETTER SCHLAGARTIG UMSCHLUG

 

Moi brachte ja schon Zweifel über die Wetterlage an, als plötzlich Wolken aufzogen, immer dichter und dunkler wurden und ein Wind anfing zu blasen.

 

„Ach was, Prinzessin! Mach dich locker, das ist doch nur ein laues Lüftchen, das kann ja nicht einmal einer Mücke etwas anhaben!“

 

OOOOKAY

 

Wir waren gerade auf der Abfahrt um Mittag essen zu gehen. Mit Luca und Lotta, die zwischen den Beinen von Paul und meinem Vater runter fahren durften.

 

DANN GINGS LOS!

 

Ja ja, laues Lüftchen. Es dauerte genau eine halbe Stunde, als das LAUE LÜFTCHEN, ein AUSGEWACHSENER ORKAN war – und die Lifte und Gondeln aus Sicherheitsgründen einstellt werden mussten! Teenager Sue fing natürlich lauthals an zu motzen und erklärte ihre Beziehung zu uns für beendet…

 

…bis zu dem Moment, als die Sicht so schlecht wurde, dass sie sich an meinem Skistock festkrallte. Indiana Jones hatte die Führung übernommen und rief uns ermunternde Dinge zu, die keiner verstand. Es war ARSCHKALT, hoffte, dass sich die Ansammlung von Minuspunkten auf meiner Karmaliste nun nicht rächen würden und freute mich ungemein, als Lotta jammernd verkündete, dass sie gaaanz dringend pipi machen müsse...

 

DAS MIT DEM FREUTE WAR DREIST GELOGEN…

 

Verfluchte mich, dass ich ihr nicht den Overall gekauft habe und als ich sie endlich aus dem ganzen Pullover-Jacken Gewühl befreit hatte, war die Hose bereits nass – was dazu führte, dass die Dramaqueen anfing zu brüllen, dass sie AUF KEINEN FALL mit einer Pipihose fahren würde, was wiederum dazu führte, dass Indie die Kleine auf die Schultern nehmen musste, ich ihre Skier in die Hand gedrückt bekam und Sue heulte, weil sie ihre Zehen und Finger nicht mehr spüren konnte, vor lauter weinen nichts mehr sah, in mich hineinrutschte, ich abdriftete, ziemlich unsanft eine Tanne küsste, elegant (oder so ähnlich) an einem Ast hängen blieb, ein wirklich unschönes RITSCH hörte und plötzlich einen EISkalten Windhauch an meinem Allerwertesten spürte.  

 

ARRGH! MEINE ZWEITE BOGNER SKIHOSE! DISTROYED!!!

 

„Du könntest jetzt ein bisschen mit deinem Hintern wackeln, Schatz! Vielleicht rettet uns ein Yeti wie King Kong Ann Darrow.“ Konnte Paul unter seinem Schal direkt grinsen sehen.

 

HA HA

 

Alles andere war gar nicht HA HA. (Pauls blöder Spruch übrigens auch nicht…)

 

Gebe zu, hatte Schiss. War richtig unheimlich! Schwarze Wolken, der Wind heulte, peitschte uns den eisigen Schnee ins Gesicht (positiv thinking: gratis Gesichtspeeling! – was mir allerdings nur was nützen würde, wenn wir diesen Horrortrip überlebten).

 

Versuchte, mein Augenmerk auf Paps zu halten. Konnte unser Glück kaum fassen, als wir die Lichter vom Dorf erkennen konnten. Unten angekommen stellte sich dummerweise heraus, dass Paul fehlte.

 

HALLELUJA!

 

Sue schmiss vor Wut ihre Stöcke herum, Jamie hatte zum Glück nur Augen für ein cooles Snowmobil, Luca bettelte nach einer heissen Ovi und Lotta KREISCHTE, dass sie ihre nassen Skihosen ausziehen wolle. Immerhin schwieg meine ansonsten seeeehr eloquente Ma. Korrigiere: Sie schwieg zwar, bewunderte jedoch ausgiebig meine hübschen Unterhöschen von Dolce & Gabbana und wollte wissen, wo ich die gekauft habe, Jones würden die sicher auch gefallen.

 

LA LA LA!

 

Gerade als Jones sich auf die Suche nach Paul begeben wollte, tauchte der auf. Weiss wie ein Schneemonster. Gestürzt sei er, aber wir Egoisten hätten seine Hilferufe natürlich nicht gehört. „Tja, kleine Sünden straft der liebe Gott sofort“, bemerkte ich spitz. Yeti lässt grüssen!

 

„Quatscht keine Opern, brauch jetzt einen doppelten Kirsch! DRINGEND!“ meine Ma.

 

Die Krönung, als wir den nächsten Pub betraten: DJ Ötzi und „ein Stern“. Ausser „From Sarah with Love“ gibt es kein schlimmeres Lied - für mich (hält sich ja hartnäckig in den Charts). Überredete den Möchte-gern-DJ begleitet mit einem Augenaufschlag,„King for one day“ von Green day zu spielen. "Möglichst laut!“ Meine Ma und ich rockten ab wie Billie Joe auf der Bühne, ich liess mein D&G Höschen blitzen und ignorierte Sue, die vor Scham am liebsten im Boden versunken wäre. Tja, die Familie kann man sich nicht aussuchen und sie kann froh sein, dass Pa seinen Indie Hut und die Peitsche nicht dabei hatte…

 

HOW EVER! KNOW LET’S ROCK IT BABY! HEUTE SIND WIR ALLE KÖNIGE!!!

 

Liebe Grüsse

 

Ihre Jessica Schweizer

 

P.S. Nächsten Monat besuchen wir meine Schwester Selina in München! Freu mich schon TOTAL darauf! Gucci, Jimmy Choo, YSL! Paul droht mir seit einem Monat jeden Tag, dass er meine Kreditkarten vorher konfiszieren wird...