Familie Schweizer

 

Weihnachtsmarkt

 

Gestern hatte ich eine TOLLE Idee (eigentlich habe ich immer tolle Ideen – oder WAHNSINNIGE wie es mein Göttergatte nennt, aber seien wir ehrlich: wer hat DEN denn gefragt!)

 

AUF JEDEN FALL

 

beschloss ich, mit den Kindern an den Weihnachtsmarkt zu gehen! Sie sehen: gaaaaaanz harmlos. Paul hat zwar nur die Augenbraue hochgezogen, denn ich schaffe es, sogar am Weihnachtsmarkt für seinen Geschmack zu viel Geld auszugeben und mit fiesem Grinsen meinte er: „Ihr könntet doch mit dem Zug in die Stadt fahren. Die Kids hätten sicher eine Riesenfreude.“ Konnte sein hämisches he he he und das „da kann die Mama nicht so viel einkaufen“ geradezu hören.

 

PFF

 

Sie verstehen jetzt vermutlich nur Bahnhof. Was soll daran schlimm sein, mit dem Zug in die Stadt zu fahren, fragen Sie sich vermutlich.

 

EINE MEINER „DUNKLEN“ SEITEN…

 

Wenn jemand Worte wie: „Bus, Tram, Zug, SBB, öffentliche Verkehrsmittel“ in den Mund nimmt,

dann frage ich zurück: „Ist das was zu essen?“

 

Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich ein absoluter Fan von meinem Auto bin. Ja, ich bin eingefleischte Automobilistin und ich fahre auch keinen umweltschonenden Hybrid (sondern einen alten klapprigen Sharan, der unbedingt mal ersetzt werden sollte!), leider aber auch keinen heissen Sportflitzer, denn ich gebe an dieser Stelle auch zu, dass ich SOFORT einen, vor PS strotzenden Rennwagen kaufen würde, hätte ich das Kleingeld dazu. DAS wäre auch die einzig teure Investition

 

bei der mein Göttergatte nicht losmeckern würde, wie er es sonst bei meinen („viel zu teuren – Schatz, Preis ist nicht gleich Wert“ bla bla bla) Gucci-Handtaschen und Louboutin-Schuhe tut.

 

ABER EGAL

 

Auf jeden Fall, bin ich KEIN Fan von öV. ABSOLUT nicht. Dafür meine Kinder umso mehr. Deshalb verwundert es nicht, dass sie laut „JAAAAAAAAAAAA sooooooooooooo toooooooolllll!“ schrien und das Grinsen im Gesicht meines Angetrauten noch wölfischer wurde. Der Streber fährt nämlich immer mit dem Tram zur Arbeit und hält mir ständig vor, dass ein Abo viel günstiger wäre als das Benzin und sowieso viel viel viel günstiger als meine Beulen die ich meinem Auto manchmal (ganz ganz ganz selten) zumute…

 

RHABRHABRHAB

 

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich nun also Witwe. Aber gegen meine Blicke ist Paul inzwischen immun. Verdammt. Muss neue Einschüchterungsmethode herausfinden.

 

HA! VORSATZ FÜRS NEUE JAHR! (dann kann ich den Vorsatz, mein ausuferndes Konsumverhalten einzudämmen, von der Liste streichen he he!)

 

„Maaaamii! Das ist eine coole Idee von Papa! Machen wir das? Och büttte bütteeeeeee!“

 

„Na gut, Kinder, aber der Herr muss gar nicht damit rechnen, dass ich ihm seine geliebten gebrannten Mandeln mitbringe!“ knurre ich in Richtung des genannten Herrn, doch der grinste noch immer. „Schatz, alleine die Vorstellung, dich ein Ticket lösen und dann in einen richtigen Zug, nicht den Europa Park Zug, steigen zu sehen, da verzichte ich sogar auf meine Mandeln! Ha ha ha! Hoffentlich verpasst du den Hauptbahnhof nicht!“

 

„Ja ja! Lach du nur!“ blaffe ich ihn an. „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“

 

Rufe gleich Carmen an. Mit vier Kindern per Auto in die Stadt ist schon mühsam, aber  jetzt ist Dezember, das Thermometer zeigt gnadenlos Minustemperaturen und und und…BAH! Da brauch ich die Unterstützung meiner besten Freundin. Hoffentlich hat sie Zeit.

 

„WAAAAAAS????? DU WILLST MIT DEM ZUG FAHREN? BIST DU KRANK?“

 

 „Darling. Ich sage nur ein Wort: Paul.“

 

Carmen kichert. „Verstehe. Honey du weisst: Für dich mach ich alles, auch mit dir und deinen Rackern mit dem Zug (kicher kicher kicher) in die Stadt fahren.“

 

Die Kinder freuen sich tatsächlich wahnsinnig darauf, mit dem Zug zu fahren. Vielleicht ist das wie mit Schokolade: Wenn man etwas selten bekommt, freut man sich umso mehr darauf.

 

OBWOHL:

 

Die stopfen sich manchmal mit Schokolade voll und trotzdem können sie nicht genug bekommen. Vor allem unsere Dramaqueen Lotta, die sich vorzugsweise von ungesundem Zeugs ernähren würde und jede Mahlzeit ein einziger Kampf ist. Sorry, bin abgeschweift.

 

Pünktlich am nächsten Tag treffen ich (bereits unterkühlt und genervt vom Gezanke der meinigen – Luca und Lotta haben bereits beim Gartentor begonnen sich zu stossen) und die Kinder am Bahnhof ein und ich herze Carmen die sogleich grinst als sie mich erblickt, die Rasselbande im Schlepptau. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass bereits Streit darüber ausgebrochen ist, WER die Tickets aus dem Automaten lassen darf, wer wo sitzen will und wer die Kohle ins Feuer werfen darf.

 

Ist das jetzt das Pendant zu der Milch, die aus dem Coop kommt und nicht von der Kuh? Kinder, die gar nicht mehr wissen, wie ein moderner Zug funktioniert?

 

VERDAMMT

 

„Na ja“ meint Carmen lapidar. „Der Vorschlag kommt von Lotta, die sich ja nicht sonderlich für Loks interessiert und hast du gesehen wie Luca die Augen verdreht hat? Keine Angst meine Süsse. Immerhin kennen sie Kühe und wissen, dass die Milch von ihnen kommt. Oder hat dich eines der Kids gefragt, warum die Kühe nicht alle lila sind?“ Sie kichert. Ich kichere auch und hake mich bei ihr unter.

 

Als der IC im an gedüst kommt, jubelt Luca vor Freude und Jamie und Sue verdrehen die Augen. Lotta hüpft von einem Bein auf das andere und ich lächle. Es ist ziemlich kalt und ich bin froh, als wir einsteigen können.

 

In der Stadt ist es noch kälter und dazu bläst ein eisiger Wind. Meine Fiorentini and Baker Boots sind zwar wintertauglich, aber nicht gefüttert und meine Nina Peter Lederhandschuhe mit Nieten mega trendy, aber nicht wahnsinnig warm.

 

EGAL

 

WIRD SCHON IRGENDWIE GEHEN

 

Natürlich wollen Luca und Lotta gleich mit dem Karussell fahren und ich raune Carmen zu, dass das ja der absolute Temporausch sei und Carmen kichert. Lotta und Luca ist das Schneckentempo aber egal und natürlich macht Lotta ein RIESEN Drama, als sie das Karussell verlassen muss und ihrem Gekreische nach zu urteilen befürchte ich, dass sie sich gleich wie eine Atom Gegnerin an das Feuerwehrauto ketten wird. Irgendwann kann ich ihre Fingerchen vom Gestänge lösen und schwitze dabei.

 

Sue hat sich verabschiedet und sich mit ihrer Freundin getroffen und Jamie mault, dass er doch lieber zu Hause geblieben wäre, das Karussell sei ja für Babys und so weiter und so fort.

 

ES WIRD IMMER KÄLTER UND DER SCHNEE RIESELT – LEISE ABER UNAUFHÖRLICH

 

 und als wir durch die Reihen der kleinen Stände schlendern, darauf bedacht, Luca und Lotta nicht aus den Augen zu verlieren, spüre ich, wie mein Popo langsam zum Eiszapfen wird und ich flüstere Carmen zu, dass ich einen Glühwein brauche. Sie nickt und ich muss ob ihrer roten Nase schmunzeln – obwohl das wegen der Kälte nicht so einfach ist und ich vermutlich wie ein Breitmaulfrosch aussehe.

 

Die Kinder bekommen eine heisse Wurst (Lotta hätte natürlich viel viel lieber eine Zuckerwatte gehabt, aber meine Erklärung, dass es hier keine gibt, findet kein Verständnis und so mault sie so lange, bis ich ihr die Wurst aus der Hand reisse und mir ein grosses Stück in den Mund stopfe – sehr zur Erheiterung meiner Freundin, die sich verschluckt und der dann der Glühwein aus der Nase läuft, was mich zu einer Lachattacke animiert und meinen zehnjährigen Sohn dazu veranlasst von uns abzurücken – sowie auch die anderen Leute.

 

PÖH! MIR DOCH WURSCHT! HA HA HA

 

Wir süffeln dankbar unseren Glühwein. Und dann noch einen zweiten. Und noch einen dritten. Langsam wärmen sich meine Glieder. Und mein Kopf.

 

Immerhin ein gutes hatte die Fahrt mit dem Zug: Ich durfte Glühwein trinken – auch wenn ich dann meinen Sack mit den Gewürzen – den teuren Gewürzen! – unzähligen kleinen Geschenken, die ich für die Familie und Freunde gekauft habe (merken: NIE einkaufen, wenn man drei Glühweins intus hat – aber nix zu essen im Magen) im Zug liegen gelassen habe, die Kids zu Hause gleich erzählten, ich hätte auf der Strasse in der Stadt inmitten der Leute „Oh du Fröhliche!“ gesungen (was ich aggressiv von mir weise!) und Paul meinte indigniert, dass es für mich vermutlich tatsächlich sicherer ist, mit dem Auto zu fahren als mit dem Zug.

 

HICKS! Sagte ihm ja, er würde sich noch sehen, was er davon hat…

 

OH DUUUUUU FRÖHLICHE!

 

Alles liebe, schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins 2010!!!!!!!

 

Ihre Jessica Schweizer