Mai 2009

 

Familie Schweizer


Zoobesuch

 

 

Wussten Sie eigentlich, dass es hier in der Schweiz gefährlicher sein kann als im Urwald? Nein? Na, dann besuchen Sie einfach mal wieder mit ihrer Familie den Zoo. Sie werden staunen, auf was für gefährliche Tiere Sie da treffen – und ich meine nicht die Tiger, Bären oder Krokodile!

 

TROPIC THUNDER LÄSST GRÜSSEN

 

Und noch ein VERY IMPORT Ratschlag: kommen Sie nie, wirklich niemals auf die Idee (und wenn das Verlangen an diesem Tag nach einem aufwertenden Outfit noch so gross ist!!!), Ihre brand neuen und vor allem sündhaftteuren Rock & Republic Jeans und die noch teureren Wildlederstiefel zu tragen. Ach ja: und die hart erkämpfte shoulder bag von Hogan in diesem atemberaubenden lila, die Ihnen diese blondierte Zicke dreist hatte wegschnappen wollen als Sie ein Sekündchen nicht hingesehen haben (ha ha, aber nicht mit mir!), lassen Sie am Besten auch zu Hause!

 

VEEEEERY IMPORTANT!

 

Wir stimmen, mit wenigen Ausnahmen, jedes Wochenende ab, was wir am Sonntag unternehmen wollen. Dieses Mal wurde ich wieder überstimmt. Da ich als freie Modejournalistin arbeite, interessiere ich mich - oh Wunder! Für Mode (darauf wären Sie nie gekommen, oder…?) Na ja, und im Kunsthaus Zürich wäre eine Ausstellung der bekanntesten Designer des letzten Jahrhunderts gewesen. ABER Paul hat gleich los gemeckert, von wegen es reiche ihm, wenn er sich meine Ankleide voller Klamotten anschauen müsse, dann würde er sich das sicher nicht freiwillig auch noch am Sonntag antun. Der war richtig stinkig! (Bin dann mit Carmen unter der Woche hin und nachher haben wir noch einen drauf gemacht und uns prima amüsiert, jawohl!)

 

PFF

 

Aber wenn es darum geht an den Autosalon nach Genf zu pilgern – JAAA, da ist der Herr ganz vorne mit dabei. Er und Jamie unser Nachwuchsautofreak und jetzt fängt der auch schon an sich für Motorräder zu interessieren – mit zehn!

 

EINATMEN AUSATMEN

 

Sorry, ich schweife ab. Also, es war ein sonniger Morgen im Mai als sich eine gutgelaunte Familie Schweizer (gutgelaunt nachdem das Thema Mode ad acta gelegt worden war…) sich mit der Familienkutsche, Marke Sharan, auf den Weg in den Zoo machte. Die Fahrt verlief tatsächlich – man glaubt es kaum - ohne Heulattacken, Streit oder Kaugummi-ins-Haar-des-Gewschwisterchen-klebens.

 

KÖNNTE ALS ACHTES WELTWUNDER IN DIE GESCHICHTE EINGEHEN

 

Natürlich mussten dann, nach betreten des Zoos, erst einmal alle aufs Klo. Finde ich ja jedes Mal aufs Neue wahnsinnig prickelnd… Jamie und die Zwillinge wollen sich garantiert in die „Loft ähnliche“ (das meine ich hundert Prozent ironisch) Kabine drücken und Sue schmollt, weil sie am dringendsten gemusste hätte, aber natürlich immer die Kleinen den Vortritt bekommen und so wie so und überhaupt sei sie doch schon zu alt um mit den Eltern und drei nervigen Geschwistern in den Zoo zu gehen und so weiter und so fort…

 

EINE GEFÜHLTE STUNDE SPÄTER…

 

…zogen wir endlich los. Wir bewunderten ohne Zwischenfälle die Raubtiere, wobei Luca mir das Versprechen abnahm, dass ich gaaaanz sicher einen kleinen Löwen aus der Tierhandlung mitbringe, sobald sie einen hätten. Dieses Versprechen konnte ich ihm ja getrost geben.

 

HA HA

 

Danach drängte Luca zu den Elefanten, denn dann könne er Benjamin Blümchen Hallo sagen. Dummerweise (und warum auch immer…) war Benjamin gerade abkömmlich und unser Kleiner untröstlich. Zum Glück hatte der weise Indianer alias Paul, die glorreiche Idee (auf die ich ja niemals gekommen wäre…) Schoggi Cornets zu kaufen. Trotz der Leckerei wollte Lotta nicht weg von den Elefanten und ich war gerührt, ob ihrem Interesse an den grossen Tieren und fragte sie: „Gefallen dir die grossen grauen Tiere so gut meine Schatz?“ Daraufhin guckte sie mich skeptisch an und antwortete: „Wenn du die Elefanten meinst Mami, die mein ich nicht. Ich will den kleinen Vögelchen noch ein bisschen zusehen.“ (Damit meinte sie die Spatzen…)

 

HAAAALLO?

 

Da können wir uns das nächste Mal ja geeemütlich in den Garten setzen…

 

Alles lief paletti und gefährlich wurde es erst bei den Affen als Luca die Kunststücke des Schimpansen am Geländer nachahmen wollte. Leider scheiterte sein Versuch kläglich und ich musste eine blutende Nase verarzten und Tränen trocknen. Weiter überstanden wir heil die Giraffen, die Nashörner und die Nilpferde. Ich verpasste auch keinen einzigen Spatz, da Lotta mich netterweise auf jeden hinwies – energisch und ein

 

„JA JA MEIN SCHATZ“

 

liess sie nicht gelten. Ich musste jeden (und es hat wirklich viele Spatzen im Zoo…) gebührend mit AHS und OHS bewundern.

 

Mir entgingen auch weder

 

1. die Blicke, die Sue mit einem Cutie in ihrem Alter wechselte (der an der Hand seine Freundin hielt, aber egal)

 

2. noch die Blicke von zwei Frauen Anfang dreissig, die mich erst von oben bis unten musterten und sich dann tuschelnd unterhielten. Sicher werweissten sie, wo ich die Hogan Tasche (limitierte Auflage, ha!) herbekommen habe. Vielleicht fragten sie sich aber auch, wie eine Mutter (von vier Kindern) so irre sein konnte, sich mit teuren Kleidern und einer exklusiven Tasche in den Zoo zu wagen.

 

(Na ja, gebe zu, dass ich Paul ein winzig kleines bisschen ärgern wollte, als er meinen Vorschlag, zu der Ausstellung zu gehen so vehement abgeschmettert hat und habe mir extra viiiel Mühe gegeben – und noch extra viiiiiiiiel mehr Zeit gelassen mit meiner Klamotten Auswahl…).

 

Dann:

 

BANG!

 

Wie aus heiterem Himmel kam dann der verheerende Moment, indem mich wieder alle überstimmten. Ich schlug vor, ins Aquarium zu gehen (wg dunklen Wolken am Himmel und verhindern wollen von Regen auf meiner neuen Tasche und den Wildlederstiefeln), aber die anderen wollten UNBEDINGT noch in den Streichelzoo. Eigentlich ein nettes, harmloses Wörtchen: Streichelzoo. Dabei kommen einem süsse Kaninchen und winzige Hamster in den Sinn – mir auf jeden Fall. Und sicher nicht Geissen, die auf Schinkenbrötchen stehen, die in einer Hogan Tasche ihrem ich-werde-später-vielleicht-noch-gegessen Dasein fristen.

 

TJA, SO KANN MAN SICH TÄUSCHEN!

 

Da Luca und Jamie mit ihrem Vater auf der anderen Seite des Streichelzoos einem süssen Pony die Mähne verwuschelten, musste ich mich in die Nähe eines Zicklein wagen, weil Lotta Angst hatte alleine hinzugehen und ich ihr beweisen wollte, dass sie keine Angst haben musste. Plötzlich hörte ich Sue kreischen: „Achtung Mama!“ und ich konnte gerade noch aus den Augenwinkeln eine wild gewordene Ziege auf mich zustürmen sehen. Mein Überlebensdrang sagte mir: Flüchten! Das tat ich dann auch. Es wäre auch geglückt, wenn weder meine Absätze noch der Zaun zu hoch gewesen oder ich besser gesprungen wäre.

Ich strauchelte und fiel, zu allgemeinen Erheiterung (für die anderen, nicht für mich...) mit vollem Körpereinsatz über die Holzlatten in einen Haufen Erde, der sich nicht als Erde entpuppte. ABER darüber möchte ich wirklich nicht sprechen.

 

NIE WIEDER!

 

Und meine Jeans auch nicht. Und meine Schuhe schon gar nicht. Und meine Tasche schon überhaupt gar nicht!

Zum Glück gibt es aber Ehemänner, die sich das Lachen verkneifen und Kinder, die sich zwar das Lachen nicht verkneifen, dafür umso lieber trösten können...

 

(Sollte mir doch wieder ein paar Converse zulegen…- hm, die gibt es doch in vielen Farben, oder?)

 

Liebe Grüsse

 

Ihre Jessica Schweizer (die das nächste mal alleine ins Aquarium geht! HA!!)