Familie Schweizer
Ferien! Oder?
Hach! Etwas vom Schönsten am Ferien planen ist doch, das PLANEN! Mit PLANEN meine ich die Feriengarderobe einkaufen. Neue Bikins oder doch mal die Badeanzug -Variante mit dem kleinen Silberring um den Bauchnabel (oder bin ich zu alt dafür? Pah! Schliesslich sieht man auch eine Menge sehr junger Mädchen die mit sehr bauchfreien Tops oder mit Hotpants rum rennen, obwohl sie weder den Bauch noch die Beine, geschweige denn den Po dazu haben!)
GEMEIN?
Doppel Pah! Das ist die Wahrheit, nichts als die Wahrheit und ich habe in der Jugend auch hin und wieder einen Griff ins Klo gemacht – modisch gesehen – und damals haben die Älteren auch über mich gelästert. Also: Dreifaches Pah! (Ausserdem lästere ich ja nicht, sondern nenne das Kind lediglich beim Namen und auch die Girls werden früher oder später zu ihrem passenden Stil finden.)
In meinem Alter (immerhin noch nicht an der Grenze zum Tod) ist es mir ziemlich egal, was andere über mich reden oder auch denken. MOI hat sich dieses Jahr so einen
exklusiv geschnittenen Bikini/Badaeanzug reingezogen. Von Roberto Cavalli. Hab ich bei net-a-porter.com gesichtet - und gekauft. Visa sei Dank!
HE HE HE
Nicht desto Trotz verbiete ich Sue, diesen Micro Mini, den sie sich gekauft hat (oder hat sie den aus meiner Klamotten Kiste geholt?) einzupacken.
„Papa dreht durch, wenn der dich darin sieht!" oder wenn er die Jungs sieht, die dich widerum ansehen, oder starren, denke ich bei mir und kann schon meinen Göttergatten sehen, ausgerüstet mit Leatherman, Feldstecher um die Kerle schon aus der Ferne zu entdecken und eine Absperrung um seine Tochter zu schaffen und wenns hoch kommt, hat der doch irgendwelche Knallkörper dabei um die Voyoeure zu erschrecken.
„OOOOCH MANN!“
Der Kommentar meiner Sechszehnjährigen. „Das ist doch sooo fies! Und warum darfst du so was Geiles anziehen? Du bist doch schon alt" PAUSE "und verheiratet!“ demonstrativ weist sie auf das (wahrhaft!) geile Teil von Cavalli in dem ich mich schon an der Sonne bruzeln sehe (natürlich eingecremt mit SPF 30 – gebe ja nicht ein Vermögen für Cremes aus um mir dann das ganze von der Sonne verderben zu lassen!
„JUNGE DAME!“
Setze ich zu einer Entgegnung an. „Wenn du mal alt und verheiratet bist, dann wird es erst richtig spannend mit so einem Teil an den Strand zu gehen.“ Ich zwinkere Sue zu. Die guckt mich verstört an. Armes Kind, so eine Mutter zu haben. Ich kichere und halte mir den Cavalli verträumt vor den Körper und verbiege mich lasziv vor dem Spiegel um mich zu bewundern. Keine Angst, bin nicht dem Narzissmus verfallen, aber das Teil ist ja so was von schöööööön! Paul werden die Augen aus dem Kopf kullern! „Weisst du, so kannst du dem Kerl, mit dem du verheiratet bist, anschaulich demonstrieren, dass er dir das nächste Mal auch ein Badetuch mit an den Strand nimmt. Weil sonst kann es passieren, dass dir ein attraktiver junger Mann seines mit einem Augenzwinkern anbietet.“
HA HA HA
Eine meiner Lieblingserinnerungen und eine beliebte Anekdote unter Freundinnen oder wenn ich fies zu meinem Göttergatten sein will, wenn der
wieder wegen Firlefanz herum meckert. Der arme Mann. Wie hat der bloss so eine Frau verdient? Na ja. Bin ja sonst ganz lieb und nett. Zumindest wenn ich schlafe. Obwohl: Angeblich hab ich schon
um mich geschlagen im Schlaf... hm. Muss das mit lieb und nett wohl überdenken...
ZWEI WOCHEN SPÄTER
Ich kann es einfach nicht fassen! Wir stehen zu sechst am Strand von diesem vermaledeiten See und soll ich Ihnen was verraten? Es ist saukalt! Und sauwindig und ich bin SAUhässig! Paul zuckt die Achseln und verkündet, dass das doch mal so richtig schön ist. Die Luft, die Wellen, die sich am Ufer brechen; ja überhaupt die Gewalt der Natur zu spüren. Ich spüre nur eines:
WUT!
Ausserdem: ein Tsunami wars ja nicht gerade, aber Cavalli-Badeanzu-hab-mich-so-darauf-gefreut Wetter ist es noch viel viel viel weniger.
ARRRGH!
Den Kindern macht das nix aus. Bis auf Sue. Die sich gleich zwei Pareros umgebunden hat und den Skysurfern, die es hier in rauhen Mengen gibt, verdrossen zuguckt. Paul wirft ihr zwar immer misstrauische Blicke zu, aber er hatt sich noch nicht mit Feldstecher und sonstigem Equipment ausgerüstet. Die Kleineren toben mit dem Wind, bauen Burgen aus Steinen (denn Sand gibt es hier nicht!) und moi? Ich starrte finster geradeaus. Morgen würde alles besser werden.
DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT
Aber sie stirbt. Es ist noch kälter als gestern und noch windiger. Paul tut, als mache ihm das nichts aus, richtet sich auf seinem Liegestuhl gemütlich ein, dass das Strandtuch in alle Seiten zerrt und die halb leere Sonnenmilchflasche schon bald vom Wind einen Kilometer weiter weg gewindet worden ist, kümmert ihn nicht.
MICH SCHON! VERDAMMT!
„Ich habe zwei Temperamentausbrühe im Jahr. Jeder dauert sechs Monate.“ Sagte schon Tallulah Bankhead. Ich kann der Frau nach fühlen. Bin zwar neben Stylistin und Kolumnistin auch noch Knigge Trainerin und Stil hat für mich eine elementare Bedeutung – also auch Benimmregeln, aber in diesem Moment brennen meine Sicherungen durch. Sämtliche! Über ein Jahr hatte ich keine Ferien mehr. Habe nur geschuftet – auch wenn es Spass gemacht hat – aber jetzt will ich, verdammt noch mal, Sonne, Strand, Meer und meinen Cavalli-Badeanzu-hab-mich-so-darauf-gefreut Moment!
„SCHEISS WIND! SCHEISS KÄLTE! SCHEISS ALLES!“
Schreie ich und schmeisse Lottas Schwimmflügel in eine Richtung. Dummerweise ist es in die Gegen-die-Wind-Richtung und der Wind schleudert mir die Dinger wieder an den Kopf. Sehr zur Erheiterung meiner Familie, die sich fast schlapp lacht.
PAH!
Stapfe von dannen. Zurück ins Hotel. Ab in den Spabereich, rein ins Dampfbad. Dort verharre ich aufgeheizt und Wut raus schwitzend eine Stunde. Alleine. Als ich wieder raus gehe, kommt gerade ein nackiger junger Mann rein. Habe mich aber wieder soweit von meinem Ausfall regeneriert, dass ich nicht wieder kehrt um mache.
HA HA HA
Am nächsten Tag scheint dann die Sonne. Ungnädig. Sechsunddreissig Grad und fast kein Schatten. Kein Windchen weit und breit. Nicht mal ein sanftes Lüftchen! Mein Cavalli-Badeanzu-hab-mich-so-darauf-gefreut ist fast zu viel Stoff und ich überlege, den Mikro Mini Badeanzug, den ich bei Sue im Koffer entdeckt habe, anzuziehen. Ich liege da und habe heiss.
Da kommt meine Familie aus der Eisdiele, jeder mit einer Tüte Eis. Lotta und Luca sehen selber schon aus wie Eiskugeln, so vollgeschmiert sind sie – aber die grösste Tüte hat mein Göttergatte. Dreifacheis. Er streckt mir die Riesentüte entgegen, grinst breit und meint: „Du willst aber nicht anmerken, dass es dir zu heiss ist, ODER?“
Schwitz, Röchel, Waaaasssser! EEEEEIIISSSS!!!
Ihre Jessica Schweizer