Familie Schweizer

 Happy New Year – oder so…

 

Es ist wieder einmal soweit.

 

·         Ein Wohnzimmer voller Tannennadeln.

·         Ein vertrockneter, nackter, traurig anzusehender ex-Christbaum der darauf wartet auf die Schlachtbank geführt zu werden – oder zum Häcksler meines Göttergatten Paul, dem diese Aufgabe beängstigend viel Spass macht…

·         Eine Kugel als Bauch, obwohl man weder schwanger ist noch fünf Liter Wasser intus hat…

·         Ebbe auf dem Konto (na gut – ist das ganze Jahr über so)

·         Der Geruch des neuen Jahres, der erwartungsvoll in der kalten Januarluft herum schwirrt und der Glaube, dass man dieses Jahr ALLES BESSER machen wird…(spätestens im Februar weiss ich dann, dass das auch in diesem Jahr nicht so sein wird)

·         UND – wir wollen sie ja nicht vergessen: Die vielen vielen guten Vorsätze – die uns jedes Jahr wieder den Januar vermiesen.

 

AUF MEINER LISTE:

 

1.      Konsumverhalten ändern

2.      Konsum einschränken

3.      Konsum WIRKLICH einschränken

4.      Konsum WIRKLICH WIRKLICH einschränken

5.      Eine Vorzeige-Hausfrau werden

6.      (bescheidene Variante: eine bessere Hausfrau werden, die Bügeln, waschen und Socken stopfen als die Lösung für eine bessere Welt sieht…)

 

 

Diese Liste existiert schon seit über zehn Jahren und jedes Jahr kram ich sie wieder raus nur um fest zu stellen, dass ich vielleicht  besser die Liste ändern sollte, weil ich die Punkte darauf eh nicht einhalten kann.

 

Dieses Jahr hab ich aber einen neuen Punkt; der indirekt etwas mit meinem Konsumverhalten zu tun hat:

 

7.      Alle Dinge, Kleider, Spielsachen, die wir nicht mehr brauchen, auf e-bay versteigern!

 

TAATAAA!

 

Und stellen Sie sich vor! Bereits am zweiten Januar habe ich meinen Vorsatz in die Tat umgesetzt – na gut, nicht ganz selbstlos: Paul und ich haben beschlossen, wieder meine Schwester Selina in München zu besuchen und ich darf alles,  was ich daran verdiene, behalten und verprassen!

 

Nun, ich war guten Mutes.

 

Zu Beginn.

 

Na, sagen wir, in den ersten fünf Minuten.

 

Weil dann fing es schon an.

 

Die Probleme. 

 

Als meine Kinder die Spiel-, Haba Dekosachen und Bücher sahen, die ich ihnen

 

HINTERRÜCKS (die Worte meiner werten Tochter Lotta)

 

entwenden wollte, standen sie auf einmal auf der Matte und rückten mir auf die Pelle.

 

„MAAAMIII!!! DAAAAS KANNST DU UNMÖGLICH WEG GEBEN!“

 

Auf die berechtigte Frage, warum denn nicht, (die letzten Jahre hat sich kein SCHW… dafür interessiert und jetzt? Ein Wunder, dass die nicht dem Jugendamt angerufen und mich angeschwärzt haben.

 

„MAAAAMIII!!! DU BIST SOOOOOO GEMEIN!!!“

 

Mein Göttergatte fand den Zwergenaufstand sehr amüsant und meinte, ich sei ja selber Schuld, wenn ich das vor den Augen der Kids mache.

 

HA HA

 

Witzbold. Bei vier Kindern ist immer eines im falschen Moment am falschen Ort (Mama will sich heimlich einen Schokoriegel einverleiben, Mama nimmt einen Schluck Cola aus der Flasche, Mama will die hübsche rosa Schachtel von Stylebop unbemerkt ins Ankleidezimmer schmuggeln (Sue zeigt mit ihren zarten sechszehn Jahren ein beängstigend grosses Interesse an Mode…) – und, so leid es mir tut:

 

UNSICHTBAR kann ich mich (und meine rosa Schachteln!) beim besten Willen nicht machen!

 

Als ich die Dinge, die mir nicht wieder HINTERRÜCKS entwendet worden waren, fotografieren wollte, streikte die Kamera.

 

Als das Teil dann endlich funktionierte, hab ich die Fotos irgendwo auf meinem Laptop abgespeichert, so dass ich sie erst nach einer Viertelstunde Suchen wieder gefunden habe.

 

Dann wollte ich einen Account eröffnen, mühte mich ab, alle Angaben korrekt einzusetzen (A-Post, B-Post, Vorauszahlung, was hat der Haba Spiegel in der Anschaffung gekostet – und warum, in drei Teufelsnamen, hab ich den gekauft?! – und woher soll ich bitte schön wissen, was das alles zum Versenden kostet? Bin ich etwa eine Poststelle?) und dann wollte der erst eine offizielle Anmeldung und die ganzen Angaben, die ich bereits mühsam eingegeben habe waren WUSCH! weg!

 

ARRRGH!

 

Entnervt stellte ich den Laptop zur Seite. Brauchte einen Kaffee zur Stärkung. In der Küche sass Sue und blätterte gedankenverloren in einem meiner unzähligen Schwangerschaftsbücher (die ich, alleine aus Sicherheitsgründen verkaufen wollte – wegen mir und, so wie es den Anschein hat, auch wegen meiner Tochter…) und dabei griff sie sich  immer wieder an den Bauch und verzog schmerz verzehrt das Gesicht.

 

HOFFENTLICH IST DAS KIND NICHT SCHWANGER!

 

Durchfuhr es mich wie ein Blitz und ich überlegte, ob ich mir einen Kaffee mit Schuss machen sollte.

 

„Mam, wenn ich die Bilder von der Geburt sehe – ich glaube ich werde nie NIEMALS schwanger werden!“ Sue würgte beinahe.

 

In diesem Moment hörte ich einen Schrei aus dem Büro, in dem ich all die Schätze, die ich zum Verkauf feil bieten wollte, aufgebahrt hatte. (Bekam Paul etwa ein Kind?)

 

JEEEESSS! Warum um alles in der Welt liegen meine Schneeschuhe hier? Und meine alte Tennisausrüstung? Und die Langlaufskier? Und und und…“

 

OB ER IN OHNMACHT GEFALLEN IWAR

 

Paul hat nämlich die Angewohnheit, sich immer mal wieder ein „Hobby auf Zeit – auf sehr kurze Zeit“ zuzulegen und all seine Ausrüstungen verstauben auf dem Dachboden. ER hat doch gesagt: „Alles, was wir schon lange nicht mehr gebraucht haben, kannst du ausschreiben!“

 

HA HA!

 

Als ich ins Büro kam, stand er da, all seine Habseligkeiten auf dem Arm, ans Herzchen gepresst, die Schneeschuhe an den Füssen (einmal hat er die gebraucht und weil es sooo anstrengend war hat er die Treter auf Nimmerwiedersehen in die hinterste Ecke verbannt…) eine Harpune!!! In der einen und einen Hockeyschläger (Paul kann nicht mal gerade auf den Schlittschuhen stehen…) in der anderen Hand.

 

Langsam aber sicher verlor ich die Geduld.

 

„WAS hast du dir nur dabei gedacht!“ motzte Klein-Paulchen los und schob sich einen seiner zehn Leatherderman (ohne den ein Mann weder im Dschungel!, noch in der Stadt! Oder im eigenen Garten!!! Überleben kann) in eine der acht Aufsetztaschen der ausgedienten Anglerweste.

 

MEIN GÖTTERGATTE SAH AUS WIE EIN FREAK

 

Und das obligate Schmollen, auf das wir Frauen sehr gerne bei unseren „starken“ Männern verzichten würden, liess ihn wie einen freaky Karpfen aussehen.

 

MEIN COMMENT?

 

Ich verkrümelte mich mit meiner Gala aufs Klo. Sehe schwarz für den plötzlichen Reichtum durch Verkauf von Trödel. Während ich vor der Tür noch immer Paul herummeckern hörte, sah ich meine massgeschneiderte Lösung:

 

„Schatz! Wenn du so weiter machst, kannst du mir einen Flug nach Los Angeles buchen!“ schrie ich so laut ich konnte (um das Gemotze meines Göttergatten zu übertönen)

 

„Warum? Willst du dir mit dem Erlös MEINER heissgeliebten Sachen eine Villa in Beverly Hills kaufen?“ meckerte der gleich wieder los.

 

„Nein! Weil ich mir jetzt Jake Gyllenhaal kralle, der sich von Reese getrennt hat! DARUM!“

 

Ende der Durchsage.

 

Und Trostschoppen (Troztschoppen)bei Stylebop.com…

 

Ganz liebe Grüsse und ein möglichst langes Durchhaltevermögen für Ihre guten Vorsätze (ha ha ha!)

 

Ihre Jessica Schweizer (die sich auch von Christian Louboutin und  Manolo Blahnik trösten lässt – die Kinder haben sich mit ihren neuen alten Errungenschaften nämlich in ihren Zimmer verbarrikadiert…)